{"id":9135,"date":"2020-03-24T00:00:00","date_gmt":"2020-03-24T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/gane.de\/handelsblatt-2\/"},"modified":"2021-03-26T10:06:32","modified_gmt":"2021-03-26T10:06:32","slug":"handelsblatt-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gane.de\/en\/handelsblatt-2\/","title":{"rendered":"Handelsblatt"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Kursst\u00fcrzen sehen bekannte Geldstrategen eine Chance f\u00fcr g\u00fcnstige Aktienk\u00e4ufe. Einige Experten bleiben jedoch vorsichtig. Bert Flossbach, Luca Pesarini und Uwe Rathausky im Interview.<\/p>\n<p>Es ist alles anders. Das Coronavirus bringt auch die Fondsmanager ins Homeoffice. Sie m\u00fcssen jetzt in der eigenen Wohnung das Geld ihrer Anleger mehren \u2013 was momentan vor allem hei\u00dft: im B\u00f6rsencrash mit einem nie da gewesenen Tempo der Kurs-Talfahrten die Verluste begrenzen. In einer Handelsblatt-Umfrage beschreiben bekannte Geldkapit\u00e4ne mit vielen Milliarden Euro Kundenkapital, wie sie auf die Krise reagieren. Diese Fondsmanager sind bekannt f\u00fcr ihre Mischfonds, in denen sie mit Anleihen und Aktien attraktive Ertr\u00e4ge erzielen wollen. Insgesamt stecken laut Scope Analysis in mehr als 1700 Produkten weit \u00fcber 500 Milliarden Euro. Das Kapital ist geschrumpft, denn vom Top im Februar sackte der Welt-Aktienindex bis Mitte M\u00e4rz um 27 Prozent, der Dax verlor sogar 35 Prozent. Das konnten auch die Mischfondsmanager nicht komplett abfedern. Die bekannteren Produkte verloren zwischen knapp acht und mehr als 24 Prozent. In ihren Ausblicken k\u00f6nnten die Strategen kaum unterschiedlicher sein. Von relativ optimistisch bis d\u00fcster reicht die Spannbreite. Damit spiegeln die Experten die extreme Unsicherheit an den M\u00e4rkten wider.<\/p>\n<p>So erwartet der bekannte Fondsmanager Bert Flossbach eine tiefe, scharfe Rezession, kauft aber bereits wieder Aktien. \u201eMein Plan ist: Aktienquote langsam erh\u00f6hen mit Qualit\u00e4tstiteln, Absicherungen allm\u00e4hlich aufl\u00f6sen, Cashanteil senken\u201c, sagt der Mitgr\u00fcnder des Verm\u00f6gensverwalters Flossbach von Storch, der den popul\u00e4ren Fonds \u201eMultiple Opportunities\u201c steuert. Luca Pesarini liefert das Kontrastprogramm. Der Co-Initiator des Verm\u00f6gensverwalters Ethenea Independent Investors und Manager des Fonds \u201eEthna-Aktiv\u201c ist \u00fcberzeugt: \u201eIn einem Jahr ist die europ\u00e4ische Wirtschaft kaputt; der Dax f\u00e4llt auf 5000 Punkte, der Euro Stoxx 50 auf 1000 Z\u00e4hler.\u201c Optimist Flossbach gilt vielen Anlegern als kompetenter Mann f\u00fcr M\u00e4rkte. Er konnte mit guten Entscheidungen w\u00e4hrend der vergangenen Jahre recht hohe Ertr\u00e4ge einspielen und damit viele Milliarden an frischem Geld einsammeln. Die neue Lage in der Pandemie trifft ihn in seinem Job nicht unvorbereitet: \u201eIch habe mich zu Hause schon vor zwei Jahren so eingerichtet wie im B\u00fcro, mit acht Bloomberg-Bildschirmen.\u201c Beim Stichwort Hamsterk\u00e4ufe winkt er ab. \u201eWir haben Vorr\u00e4te wie immer, denn selbst in einer Extremlage werden die Superm\u00e4rkte offen bleiben\u201c, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder. Weniger entspannt ist der K\u00f6lner bei der wirtschaftlichen Lagebeurteilung. \u201eIch verstehe die rigiden politischen Ma\u00dfnahmen zur Viruseind\u00e4mmung\u201c, meint er. Er sagt allerdings auch: \u201eDas ist sehr delikat, weil das fein abgewogen werden muss mit den Sch\u00e4den durch die Bek\u00e4mpfung des Virus.\u201c Flossbach h\u00e4lt es f\u00fcr wahrscheinlich, dass sich die Gesundheitssituation im April beruhigt und im Mai wieder mehr Normalit\u00e4t einkehrt. Doch wenn sich die Wirtschaft nicht im dritten Quartal erhole, \u201edann w\u00e4re es wie in der Finanzkrise mit einem Wachstumsverlust von mehreren Prozent\u201c. Das berge Gefahrenpotenzial: Trotz der extrem scharfen B\u00f6rsenkorrektur seien die Aktienkurse in den USA immer noch so hoch wie Anfang vergangenen Jahres. Den bisherigen Fondsverlust seit dem Top im Februar von 15 Prozent nimmt er relativ gelassen: \u201eF\u00fcr eine aktienorientierte Strategie ist das kein Beinbruch, in der Finanzkrise waren wir sogar bei minus 20 Prozent.\u201c Am Rosenmontag habe er begonnen, die Aktienpositionen gegen Verluste abzusichern. Es war der erste Tag, an dem die B\u00f6rsen deutlich auf die Corona-Nachrichten zu reagieren begannen. Momentan steckten rund zwei Drittel der Gelder in Aktien, davon sei die H\u00e4lfte abgesichert. Rund ein F\u00fcnftel des Kapitals entfalle auf Cash inklusive kleiner Anleihebest\u00e4nde. Flossbach hat mit den K\u00e4ufen schon wieder begonnen. \u201eDas sind defensive Aktien wie Reckitt Benckiser, Nestl\u00e9 oder Roche, die v\u00f6llig \u00fcbertrieben im Kurs gefallen sind\u201c, sagt er. Er vertraut auf das, was er das \u201eImmunsystem der Unternehmen\u201c nennt: auf stabile Gesch\u00e4ftsmodelle, stabile Ertr\u00e4ge und stabile Bilanzen. Damit k\u00f6nnten die Firmen auch Krisen \u00fcberstehen. Nicht haben wolle er dagegen Titel, die weniger robuste Gesch\u00e4ftsmodelle bei gleichzeitig hoher Verschuldung aufweisen und damit in jeder Krise Probleme bekommen w\u00fcrden. W\u00e4hrend Flossbach an eine wirtschaftliche Erholung glaubt, ist Manager Pesarini die gute Laune l\u00e4ngst vergangen. \u201eIch bin konsterniert, wie die Politik auf das Coronavirus reagiert, die Ma\u00dfnahmen sind vollkommen \u00fcbertrieben\u201c, sagt er. Er verweist auf den praktischen Stillstand der Wirtschaft: \u201eGesch\u00e4fte werden komplett zusammenbrechen, jedes f\u00fcnfte Unternehmen k\u00f6nnte bankrottgehen. Das ist ganz schlimm.\u201c Geld verteilen an die Menschen mit dem Zauberbegriff Helikoptergeld helfe da auch nicht, wenn die Gesch\u00e4fte geschlossen seien. Sein letzter Satz im Gespr\u00e4ch: \u201eAm Ende k\u00f6nnten wir dadurch mehr Suizidtote haben als Coronatote.\u201c Mit diesem Weltbild ist es kein Wunder, dass der \u201eEthna-Aktiv\u201c v\u00f6llig anders best\u00fcckt ist als der Flossbach-Fonds. Hatte Pesarini vor der Krise noch fast ein Drittel des Geldes in Aktien investiert, sind es jetzt lediglich vier Prozent. \u201eWir machen gar nichts, ich habe auch keine Veranlassung, um Aktien zu kaufen\u201c, sagt er. Hier vertraut er auf Titel wie Shop Apotheke Europe, auf die Zahlungsdienstleister Paypal und Visa. Die gefielen ihm dank wenig anf\u00e4lliger Gesch\u00e4ftsmodelle. Das Gros der Gelder stecke in gut bewerteten Unternehmensanleihen mit wenigen Jahren Laufzeit.<\/p>\n<p>Als Geheimtipp unter den Fondsmanagern gilt Uwe Rathausky, Co-Manager des \u201eAcatis Gan\u00e9 Value Event Fonds\u201c. Damit erzielte er stabile Ertr\u00e4ge in den vergangenen Jahren. Rathausky will die Krisenlage weder sch\u00f6n- noch schlechtreden. Wie das Coronathema ausgehe und welche Folgen es haben werde, k\u00f6nne man noch nicht sagen. Doch bei allem Durcheinander will er einen klaren Kopf behalten. Der Stratege erinnert sich: \u201eWir sind in der Finanzkrise gefragt worden, ob wir in Zigaretten, Konserven und Gold investieren.\u201c \u00c4hnlichen Fragen k\u00f6nne er auch heute nichts abgewinnen. \u201eWir investieren auch nicht in Toilettenpapier\u201c, erg\u00e4nzt er. Rathausky konzentriert sich vielmehr ganz auf die Aktienauswahl. Er h\u00e4lt nur 33 Positionen im Fonds, davon 22 Aktien. Diese geringe Anzahl ist in der Branche sehr ungew\u00f6hnlich. Der Fonds litt in der Krise seit Februar mehr als andere und verlor 24 Prozent. \u201eDer dramatische B\u00f6rsenabsturz \u00fcberraschte uns, gemessen daran war die Aktienquote zu hoch\u201c, sagt Rathausky. Zwei Drittel der Gelder sind hier investiert. \u201eWir haben aber schon wieder gekauft, denn in der Mitte der Nacht beginnt der neue Tag\u201c, sagt der Gan\u00e9-Mann mit Anspielung auf die d\u00fcstere Stimmung an den M\u00e4rkten. Er sucht seine Chance und gleichzeitig Krisenabsicherung \u00e4hnlich wie Flossbach bei stabilen und ertragsstarken Firmen. An der B\u00f6rse seien viele Unternehmen zu sehr abgestraft worden. \u201eDeshalb haben wir M\u00fcnchener R\u00fcck nachgekauft und Allianz neu hineingenommen, die Kurse sind v\u00f6llig \u00fcbertrieben gefallen\u201c, sagt er. Bei der Allianz etwa spekulierten Shortseller darauf, dass der Versicherer seine Hauptversammlung im Mai nicht zeitnah abhalten k\u00f6nne. \u201eAber die Allianz hat Kriege \u00fcberstanden und wird auch Corona \u00fcberstehen\u201c, ist Rathausky \u00fcberzeugt. Von den Corona-Effekten werden seiner Meinung nach auch einige Firmen profitieren. Dabei gehe es weniger darum, wer jetzt Schutzmasken herstelle, die gefragt seien. \u201eEs geht eher um Firmen, die von verst\u00e4rkter Heimarbeit und dadurch noch verst\u00e4rkter Digitalisierung profitieren\u201c, sagt er. Rathausky nennt Namen wie Amazon, Microsoft und Apple. Auch SAP und Bayer habe er zu den tieferen Kursen gekauft. Insgesamt f\u00fchlt er sich gut positioniert. Das Umfeld sei extrem g\u00fcnstig: \u201eDie Welt wird auf Dauer mit expansiverer Geldpolitik und Fiskalpolitik leben \u2013 und die Zinsen werden tief oder negativ bleiben.\u201c [&#8230;] \u00ab<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/anlagestrategie\/fonds-etf\/mischfonds-flossbach-kauft-aktien-skeptiker-warten-ab\/25672320.html\" title=\"Handelsblatt 24.03.2020\" target=\"_BLANK\" rel=\"noopener\">Link<\/a>\u00bb <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach den Kursst\u00fcrzen sehen bekannte Geldstrategen eine Chance f\u00fcr g\u00fcnstige Aktienk\u00e4ufe. Einige Experten bleiben jedoch vorsichtig. Bert Flossbach, Luca Pesarini und Uwe Rathausky im Interview. Es ist alles anders. Das Coronavirus bringt auch die Fondsmanager ins Homeoffice. 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