Die globale Währungsarchitektur erlebt derzeit eine ihrer volatilsten Phasen seit dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 2025 markierte eine zweistellige Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro den vorläufigen Höhepunkt wachsender politischer und fiskalischer Verunsicherung. Während Kritiker bereits das Ende der „Ära Greenback“ proklamieren, offenbart ein genauerer Blick ein differenzierteres Bild: Der US-Dollar wandelt auf einem schmalen Grat zwischen systemischen Risiken und struktureller Alternativlosigkeit.
Die fiskalischen Rahmendaten der USA haben eine kritische Schwelle erreicht. Mit einer Staatsverschuldung von über 38 Billionen US-Dollar sieht sich die Administration mit einer prekären Realität konfrontiert: Der Schuldendienst übersteigt mittlerweile das Verteidigungsbudget. Diese Dynamik schränkt den fiskalischen Spielraum massiv ein und nährt Zweifel an der langfristigen Tragfähigkeit der US-Finanzen – insbesondere, da belastbare Pläne zur Ausgabendisziplin fehlen.
Verschärft wird die Lage durch die zunehmende Politisierung der Geldpolitik. Die Einflussnahme der Administration auf die Federal Reserve – gipfelnd in juristischen Schritten gegen den obersten Währungshüter Jerome Powell – hat die Unabhängigkeit der Notenbank in das Zentrum der Marktaufmerksamkeit gerückt. Da institutionelle Autonomie für globale Investoren ein essenzielles Gut darstellt, droht deren Erosion die Glaubwürdigkeit der Währung nachhaltig zu untergraben. Globale Akteure wie China reagieren bereits: Begleitet von dauerhaften Handelsstreitigkeiten wurden die Bestände an US-Treasuries von weit über einer Billion auf unter 700 Milliarden US-Dollar reduziert – gleichzeitig die Goldreserven aufgestockt.
Inmitten dieser Spannungen markiert die Nominierung von Kevin Warsh für die Fed-Spitze einen potenziellen Wendepunkt. Warsh, ein erfahrener ehemaliger Notenbankgouverneur, gilt als Verfechter einer restriktiven Bilanzpolitik. Seine Ernennung löste an den Märkten bereits eine erste Erleichterung aus, was sich in einer kurzfristigen Dollar-Stärke widerspiegelte. Warsh verfolgt einen hybriden Ansatz: Er identifiziert durch Produktivitätsgewinne, die primär auf Künstliche Intelligenz zurückzuführen sind, Spielraum für Zinssenkungen, lehnt jedoch eine Aufblähung der Fed-Bilanz konsequent ab, da eine solche zu massiven Fehlallokationen führe. Seine prinzipientreue Haltung bewies er im Jahr 2011, als er aus Protest gegen das zweite Quantitative-Easing-Paket (QE2) vom Board of Governors zurücktrat.
Für den Greenback ist seine Personalie folglich zwiespältig: Einerseits gilt Warsh als Garant für den Erhalt der Fed-Autonomie. Andererseits wirft seine Skepsis gegenüber marktstützenden Interventionen die Frage auf, wer künftig in Markstressszenarien als Käufer von US-Staatsanleihen fungieren soll. Ein Ausbleiben der Fed könnte die Volatilität an den Rentenmärkten erhöhen.
Trotz dieser Risiken bleibt der US-Dollar das Gravitationszentrum des Weltfinanzsystems. Die USA beheimaten weiterhin die innovativsten und profitabelsten Unternehmen der Welt – auch aus dem Software-Sektor, der gerade in den vergangenen Wochen einen beispiellosen Abverkauf erlebte. Eine teils diffuse Angst vor KI-Disruption hat zu Bewertungen geführt, die man als Investor in dieser Form seit vielen Jahren nicht mehr vorfinden konnte.
Zudem bleibt die unerreichte Liquiditätstiefe ein entscheidendes Argument für den Währungsraum. Der Markt für US-Treasuries ist nach wie vor der bedeutendste Handelsplatz der Welt. Der zweitgrößte Markt, Japan, erreicht lediglich ein Drittel dieses Volumens. Auch die Handelsvolumina der US-Aktienmärkte übersteigen das europäische Niveau um ein Vielfaches. Für institutionelle Investoren bieten weder Europa noch Asien kurzfristig eine liquide Alternative. Europa kämpft weiterhin mit dem Ukraine-Konflikt, verschleppten Strukturreformen und einer instabilen Haushaltslage in Frankreich – Faktoren, die zu anhaltender Skepsis bei internationalen Investoren beitragen.
Der US-Dollar wird seinen Status als globale Reservewährung nicht abrupt verlieren. Die Nominierung von Warsh könnte das Vertrauen in die institutionelle Stärke vorerst stabilisieren. Dennoch wandelt die US-Administration auf einem schmalen Grat: Das Vertrauen der Märkte ist ein endliches Gut, das durch ungebremste Verschuldung, Angriffe auf die Fed-Autonomie und protektionistische Zollbarrieren langfristig verspielt werden könnte. Eine ausgewogene Währungsallokation zwischen dem US-Dollar- und dem Euro-Raum erscheint daher unter Risikogesichtspunkten derzeit geboten.
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